Safari!
Die Nacht war anstrengend, bei den ständigen Besuchen im Waschhaus ist die Seife abhanden gekommen. Da es einen Supermarkt am Platz gibt, kann man sich dort mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgen. Glaubt man zumindest. Aber große Überraschung: Es gibt nur eine einzige Sorte Seife zu umgerechnet 9,- Euro für ein kleines Fläschchen Desert Secrets of Namibia. Ein Blick auf die Zutatenliste lässt den Grund für den hohen Preis vermuten - es handelt sich um edle Inhaltsstoffe - Öl aus den Samen des Eisenbaums (Mopane) und Myrrhe. Tatsächlich merkt man einen Unterschied, nach dem Händewaschen fühlt sich die Haut wie frisch gecremt an - immerhin!
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Irgendwer hat bei unseren Nachbarn Chaos verursacht: Trotz der Anweisung, man solle keinen Müll draußen lagern, hatte man wohl eine kleine Mülltonne neben dem Auto abgestellt. Nun war der gesamte Müll verteilt. Wir rätseln und überlegen, ob die frechen Krähen, die hier in den Büschen lauern und gerne auf die Touristen scheißen, zu so etwas in der Lage sein könnten. Aber die wahren Verursacher werden sich noch zeigen ...
Trotz der anstrengenden Nacht fällt die Entscheidung, auf Fotosafari zu gehen: Es ist zwar erlaubt, selbst im Etosha Nationalpark herumzufahren und nach Tieren Ausschau zu halten, aber wir bevorzugen einen Ausflug im offenen Wagen mit Tourguide. Die Hoffnung ist, dass der Tourguide weiß, wo sich die Tiere zur Zeit befinden und dass er allerlei dazu erzählen kann.
Etosha bedeutet übersetzt aus der Sprache der Ovambos: Großer weißer Platz. Auf ungefähr 1.000 Meter Höhe erstreckt sich das salzverkrustete Gebiet über ca. 4.800 qkm. Einst war hier ein riesiger See, gespeist vom Kunene-Fluss, der mittlerweile aber ausgetrocknet ist. In dem Gebiet gibt es viele artesische Quellen, die dem Wild als Wasserlöcher dienen. Viele Tiere wie Elefanten, Giraffen, Nashörner usw. sind nur hier während der Trockenzeit (Mai bis Oktober). Zur Regenzeit (November bis April ) wandern sie ab in andere Gebiete, dafür kommen dann Wasservögel, insbesondere Flamingos, um hier zu brüten.
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Am frühen Nachmittag geht es los: Der Treffpunkt ist schon deshalb leicht zu finden, weil sich dort Touristen mit den abenteuerlichsten Fotoausrüstungen versammeln.
Die Fahrt in dem offenen Wagen ist angenehm, denn mittlerweile brennt die Sonne wieder heftig herab und der Fahrtwind kühlt entsprechend.
Unweit des Camps treffen wir wieder auf die Elefantenherde, die uns gestern an der Einfahrt begrüßt hat: Scheinbar das Begrüßungskommitée von Okaukuejo! Die Elefanten sind kein bisschen scheu und laufen an den Besucherautos vorbei und zwischen diesen herum.
In den Bäumen hängen kunstvolle Gebilde - die Nester der Webervögel.
Eine Art Webervögel baut regelrechte Appartmenthäuser, wobei
jede Webervogelfamilie einen eigenen Eingang hat. Diese Nester
werden riskant, wenn die Regenzeit beginnt: Sie können sich sehr
schnell mit Wasser vollsaugen und dann aufgrund des Gewichts
abstürzen. Andere Arten von Webervögeln bauen Einzelhäuser, nicht
minder kunstvoll als die Appartmentanlagen ...
Rasant brettert unser Fahrer weiter über die staubigen Schotterpisten und hält schließlich neben einem anderen Tourfahrzeug mit Reifenpanne: Ein Wagenheber scheint nicht zum Einsatz zu kommen, irgendwie mit Methoden der Buschmechanik - sprich großen Steinen - kann man sich behelfen. Die Leute haben alles im Griff, wir müssen nicht helfen und fahren weiter. Fotos von diesem Vorfall zu machen, wurde übrigens nicht gern gesehen, eine Aberglaubengeschichte dazu war aber wohl eher ein Märchen. Fotos von dieser Panne sollten wohl eher keine Touristen von Buchungen abhalten ...
Bald erreichen wir einen Parkplatz, an dem sich schon jede Menge anderer Wagen versammeln, denn es gibt hier viel zu sehen.
Einige einsame junge Elefantenbullen stehen hier am Wasser und dösen vor sich hin. Sie müssen im Stehen schlafen, denn das Aufstehen aus dem Liegen würde die Tiere mit der gewaltigen Körpermasse viel zu viel Kraft kosten. Ganz anders das Spitzmaulnashorn, das sich den Zuschauern nähert: Es legt sich gemütlich hin für eine Siesta inmitten der Unmengen von Elefantenhaufen. Eine Herde mit Springböcken trabt zielsicher zum Wasserloch und verharrt plötzlich. Die Tiere bewegen sich zögerlich, um dann wieder vom Wasserloch wegzulaufen. Doch warum? Wir schauen genau hin und entdecken am Rand des Wasserlochs zwei liegende Löwinnen - gut getarnt warten sie auf leichtsinnige Beute ...
Plötzlich kommt Bewegung in die Elefantengruppe: Einer der Bullen
läuft scheinbar zielgerichtet zu einem Besucherfahrzeug, um sich dann
dort mit einem kräftigen Wasserfall zu entleeren - will er etwa
damit etwas deutlich machen ..?
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Weiter geht´s über die gut gepflegten Pisten: Am Wegesrand in einem Busch macht der Guide auf einen seltenen Silbersinghabicht aufmerksam. Ein Stückchen weiter toben Erdhörnchen durchs Gebüsch. Man sagt ihnen nach, dass sie die einzigen Tiere sind, die sich stets Schatten spenden können aufgrund ihres buschigen Schwanzes. Immer wieder tauscht sich der Guide über Funk mit seinen Kollegen aus, wo welche Tiere gesichtet werden und wo nicht. So geht die Tour weiter kreuz und quer durch den Nationalpark: Als eine einsame hinkende Hyäne auftaucht, funkt der Guide sofort die Sichtung an die Zentrale. Falls die Hyäne bei ihrer Herde bliebe, würde sie von ihren Artgenossen getötet: Deshalb ist sie auf der Flucht. Vermutlich wird das verletzte Tier bald als Beute von Löwe oder Gepard enden - die Natur ist auch hier erbarmungslos!
Elegante Oryx-Antilopen kommen vorbei und auch ein Straußenmännchen
lässt sich blicken (seit der Übernachtung auf Straußenfarm
können wir das Geschlecht unterscheiden!
).
Giraffen nagen an den dürren Büschen, die aber viele Nährstoffe
haben. Bald schon erreichen wir eine kleine Steppenzebraherde, der
Guide erklärt den Unterschied zu den Bergzebras. Bei
Steppenzebras sind die Beine weniger gestreift, dafür der Bauch
um so mehr, der bei den Bergzebras weiß ist.
Plötzlich fällt auf, dass der Guide immer langsamer fährt und nach irgendetwas Ausschau hält: Was mag das sein, wir haben wir doch schon so viele Tiere beobachten können. Unvermittelt hält er an und zeigt auf einen Busch, etliche Meter weit entfernt. Cheetah with baby, erklärt er. Es ist zunächst nichts zu erkennen, aber dort liegt tatsächlich eine Gepardin mit ihrem Jungen. Dank des Kamera Zooms gelingt aber doch eine gute Beobachtung.
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Es ist Zeit zurückzukehren: Im Restaurant bekommen wir einen gut
zubereiteten, saftigen Fisch. Rings herum kann man die Fleischesser
beobachten, die sichtlich mit Mühe an ihrem Wildsteak säbeln und
kauen. Offensichtlich wird hier das Wildfleisch zur Schuhsohle gebraten und die Gäste scheinen das trotzdem zu genießen
...
Die Nacht bricht nach kurzer Dämmerung herein: Wir machen uns auf
zum beleuchteten Wasserloch, kalte Getränke im Gepäck. Hinter einem
Steinwall hat man freien Blick herab auf das Gewässer: Bereits von
weitem erkennt man schon eine Giraffe: so wunderschöne Tiere, die mich ganz
besonders faszinieren wegen ihres langen Halses. Vielleicht ein
wenig mit Neid, weil mein kurzer Hals schon so allerlei Ersatzteile
aus Metall benötigt.
Aber immerhin, die Neurochirurgen haben gute
Arbeit geleistet, denn sonst könnte ich die Fahrten auf den
Schotterpisten hier sicher nicht ohne Beschwerden ertragen. Aber die
Giraffen müssen trotz des langen Halses ziemlich breitbeinig stehen,
damit sie an das Wasser kommen ...
Und schon finden sich weitere "Bekannte" von der Tagestour ein: Eine
Spitzmaulnashornmama mit ihrem Kind, dazu noch ein weiteres Spitzmaulnashorn.
Der Mutter hat man die Hörner abgesägt, das ist schmerzfrei, denn
die Hörner sind wie unsere Fingernägel,
aber es schützt das Nashorn vor Wilderern. Die Nashörner
verschwinden wieder, dafür kommt die Elefantenherde
heran und dazu noch weitere Giraffen mit ihrem Nachwuchs. Auf einem unserer Fotos
entdecken wir später, dass auch eine gut getarnte Hyäne am Wasser
trinkt - etwa unser Hinkebein? Was für ein Abendprogramm, Bierchen
genießen und die Tiere beobachten - ein ewiges Kommen und Gehen,
ganz ohne Hektik!
Zurück bei unserem Bushcamper bleiben wir noch ein wenig draußen
sitzen. Plötzlich bekommen wir unerwarteten Besuch: Ein Schakal zieht von Platz zu Platz
und beschnüffelt alles, wohl auf der Suche nach Schätzen in
Mülltonnen. Bei den Nachbarn hat er diesmal Pech, die haben
ihren Müll heute Nacht doch tatsächlich weggeräumt!
Für einen lebendigen Eindruck der Fotosafari haben wir hier zwei Videos ...
Am Tag:
Und in der Nacht:
Fortsetzung folgt!
© 2025 Sixta Zerlauth
Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Sixta Zerlauth finden sich in unserer Autorenübersicht!